Wenn es im Inneren brodelt
Unsere Reise führt uns heute zu einem Vulkan.Wenn wir einen inaktiven Vulkan vor uns sehen, können wir kaum erahnen, welche Kräfte hier schlummern. Tief im Inneren ist eine gewaltige Energie verborgen. Wenn der Vulkan aktiv ist, sammeln sich in der Magmakammer geschmolzenes Gestein und Gase und der Druck steigt stark an. Über den Schlot kann diese Energie an die Oberfläche steigen, sobald der Vulkan ausbricht. Der Kegel oder Krater ist die sichtbare Spitze des Vulkans, aus der bei einem aktiven Vulkan Lava, Rauch und Asche austreten. Auch aktive Vulkane können über längere Zeit ruhig liegen, doch wenn der Druck zu groß wird, beginnt es zu brodeln, das Magma steigt auf und es kommt zu einer Eruption. Es ist ein mächtiges Naturschauspiel mit unheimlicher Kraft.
So ähnlich arbeitet auch der Körper, wenn Stress entsteht: lange brodelt die Energie dahin. Kommt es aber zu einer Überflutung von Reizen, steht das System unter zu hohem Druck. Die Energie wird gebündelt, Hormone werden ausgeschüttet, der Stoffwechsel läuft auf Hochtouren. Dauert dieser Zustand zu lange oder ist er zu intensiv, kann es zu viel werden und der Körper kann dadurch zu Schaden kommen.
Wie Stress den Stoffwechsel aktiviert und warum chronischer Stress den Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht bringt
Kommt es im Körper zur Überforderung und Überreizung, spürt der Hypothalamus des Gehirns als Erstes das innere Unwohlsein. Er sendet umgehend ein Signal an die Hypophyse, die wiederum die Nebennieren aktiviert. Diese drei Bereiche im Körper bilden die HPA-Achse, gemeinsam sind sie die zentrale Steuerung des Stresssystems. Als Antwort auf dieses Signal werden innerhalb von Sekunden aus der Nebenniere drei verschiedene Stresshormone ausgeschüttet. Die beiden Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin werden aus dem Inneren der Nebenniere, dem Nebennierenmark, ausgeschüttet. Das Hormon Cortisol wird aus dem Randstück der Nebenniere, der Nebennierenrinde, freigesetzt.
Adrenalin und Noradrenalin wirken sofort im Körper. Die Herzschlagrate, der Blutdruck und die Atemfrequenz steigen. Die Muskeln und Sinne werden aktiviert. Das Hormon Cortisol hat wiederum eine langsamere Wirkung, diese hält über mehrere Stunden an. Der Blutzuckerspiegel steigt und in den Zellen wird neue Energie produziert und für besonders wichtige Funktionen im Körper zur Verfügung gestellt. Kurzfristig kann dieser Mechanismus lebensrettend sein, aber als Dauerzustand ist er kontraproduktiv.
In jeder Zelle des Körpers arbeiten die Mitochondrien, die winzigen Energiewerke der Zelle. Sie verwandeln Zucker, Fett und Sauerstoff in ATP, den eigentlichen Treibstoff der Zellen. Unter akutem Stress laufen diese Triebwerke auf Hochtouren. Bei Dauerstress werden sie jedoch überlastet.
Bei zu viel und zu lange andauerndem Stress können einige Mechanismen im Körper gestört werden. Zum Beispiel das Hormonsystem, die Fettverstoffwechslung und der Insulinhaushalt können durcheinanderkommen. Das wirkt sich auf die Geschlechtshormone, aber auch auf die Fetteinlagerung der ungesunden Fette im Bauchraum aus. Auch könnten Diabetes und Depressionen begünstigt werden.
Normalerweise folgt das Stresssystem einem natürlichen Zyklus. Am Morgen ist das Cortisol hoch, um Aktivität zu ermöglichen, abends sinkt es, damit in der Nacht eine gute Erholung möglich ist. Unter Dauerstress bleibt der Stresshormonpegel jedoch konstant, der zirkadiane (tägliche) Rhythmus gerät aus dem Takt. Schlafstörungen, Erschöpfung und Heißhunger können die Folge sein.
Wie sich der innere Vulkan beruhigen lässt
Bewegung hilft bei der Regulation von Stress. Die überschüssige Energie wird genutzt, der Blutzucker stabilisiert sich wieder. Eine ausgewogene Ernährung versorgt den Körper mit vielen Nährstoffen. Vollkornprodukte, Gemüse, Proteine und gesunde Fette halten den Stoffwechsel stabil. Regelmäßige Erholungspausen und ein erholsamer Schlaf sind ebenfalls wichtig. Der Schlaf ist eine Wartungspause des Körpers, in der Zellen repariert werden können.
Jeder aktive Vulkan kann sich auch wieder beruhigen und aus der heißen Lava kann Gestein und nach längerer Zeit und vielen Regenfällen wieder fruchtbare Erde entstehen. Dieser Erholungsvorgang der Landschaft dauert aber sehr lange. Wenn der Körper unter zu langem Stress steht, dauert die Regeneration des Organismus auch viel länger, bis ein Gleichgewicht hergestellt werden kann. Deswegen ist es wichtig, durch ausgleichende Maßnahmen erst gar nicht den Stresspegel und schon gar nicht über zu lange Zeiträume ansteigen zu lassen.
Wenn der Körper lernt, zwischen Stress- und Ruhephasen zu wechseln, bleibt das Gleichgewicht im Körper erhalten. Kurze Stressphasen kann der Körper bewältigen und dann wieder in den Ruhemodus wechseln.
Atemübungen, Meditation und soziale Unterstützung helfen, den Druck zu senken, Cortisol zu reduzieren und das parasympathische Nervensystem zu aktivieren. Es ist der Teil des Körpers, der Ruhe und Regeneration steuert.
Die Abkürzung
Stress aktiviert im Körper die sogenannte HPA-Achse und führt zur Ausschüttung der Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol. Diese helfen dem Körper, schnell Energie bereitzustellen und den Blutzuckerspiegel für die Stresssituation anzupassen. Kurzfristig ist dieser Mechanismus sinnvoll und kann sogar lebenswichtig sein. Bei dauerhaftem Stress kann der Körper jedoch aus dem Gleichgewicht geraten. Der Stoffwechsel, der Blutzucker und die Wirkung von Insulin können beeinflusst werden. Regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und Erholung helfen dem Körper dabei, wieder zwischen Anspannung und Ruhe zu wechseln.


